Anfahren und Hovern

Starten und Hovern kontrollieren

Jetzt geht es endlich ums Wesentliche, auf einem Foilsurfboard zu starten und über das Wasser zu hovern. Die gute Nachricht ist, dass das ziemlich sicher schon bei eurer ersten Session funktionieren wird. Stellt euch aber zu Beginn auf Stürze ein, denn das Sportgerät wird sich anders verhalten, als ihr es vom Windsurfen kennt. Und das liegt an der Berg- und Talfahrt, die der Foil mit euch treiben wird.

Vorbereitung zur Boardkontrolle
Kennt ihr Balance Boards? Holzbretter, die ihr im Stehen auf einem Zylinder oder einer Kugel ausbalancieren müsst? Ähnlich funktioniert die Kontrolle der neuen Dimension beim Foilsurfen, die zur gewohnten Fußsteuerung beim Windsurfen hinzukommt.

Unter euch liegt eine virtuelle Achse, über die das Foilsurfboard nach vorne oder hinten kippt. Mit einer zentralen Stellung auf dem Board könnt ihr das Board über diese Achse hebeln: Druck aufs hintere Bein lässt das Board ansteigen, Druck nach vorne levelt diese Bewegung aus und noch mehr Druck lässt die Boardnase sinken.

Stance auf dem Foilboard

Mit einer breite Fußstellung könnt ihr anfangs die Balance besser halten, später kann der vordere Fuß in die Schlaufe, der hintere zentral auf Heck

Materialvorbereitung für den Start
Zieht ein Segel auf, das mindestens einen Quadratmeter kleiner ist, als ihr normalerweise verwenden würdet. Gute Bedingungen für den ersten Versuch sind drei bis vier Windstärken, bei denen man zum Foilsurf-Einstieg auf ein 4,7er setzen kann. Segel relativ flach ziehen, um ein möglichst neutrales Verhalten zu erzeugen. Ihr benötigt zum Start so wenig Vortrieb wie möglich.

Auf jeden Fall eine Startschot montieren, die benötigt ihr für den Schotstart.

Das Boards sollte je nach Körpergewicht 120 bis 150 Liter Volumen haben, denn für Halsen, Wenden und Schotstart benötigt ihr ausreichend Auftrieb und Kippstabilität.

Verwendet am Foil einen kurzen Mast, damit das Board nur bis zu einer geringen Höhe aus dem Wasser steigen kann. Der Tragflügel wird so zwar schneller die Wasseroberfläche erreichen und zu einem Spin-out führen, der sich aber aus einer geringen Höhe gut abfangen lässt.

Ihr benötigt kein Trapez. Die Haltekräfte am Rigg sind beim Einsteig so gering und eure Standposition so aufrecht, dass kein Trapez benötigt wird. Auch die Trapeztampen stören eher - am besten einfach abmontieren.

Auf den Spin-out vorbereitet sein
Da es am Anfang schwer sein wird das Aufsteigen des Boards zu dosieren, wird folgendes passieren: Die Tragflügel erreichen die Wasseroberfläche und verlieren so die seitliche Führung. Das Heck des Boards ruscht nach Lee, die Nose senkt sich nach Luv.

Ein Spin-out beim Foilsurfen

Beim Spin-out verliert der Foil die seitliche Führung - mit etwas Übung kann man das Board abfangen

Die Gegenmaßnahme besteht darin, den Druck aus dem Segel zu nehmen und zu verhindern, dass das schrägstehende Board mit der Leekante einspitzelt. Gebt beim Hovern nicht direkt Vollgas, sondern versucht die Fahrt zu kontrollieren, denn diese Spin-outs werden anfangs immer wieder passieren.

Anfahren
Stellt euch mit beiden Beinen so aufs Board, wie ihr in Verdrängerfahrt stehen würdet. Diese Position werdet ihr beibehalten, die Fußschlaufen werden nicht benutzt. Nehmt eine relativ aufrechte Haltung ein und haltet das Segel offen. Langsam Fahrt aufnehmen, am besten auf ganz leichtem Raumschotkurs.

Behaltet den Körperschwerpunkt nah am Mastfuß, Oberkörper weiterhin aufrecht und beginnt das hintere Bein zu belasten. Dabei das Segel etwas dichter ziehen. Ihr müsst dabei nicht besonders schnell sein, der Tragflügel erzeugt schon relativ früh einen starken Auftrieb.

Anfahren und Belastung aufs hintere Bein

Verlagerung des Körperschwerpunktes nach hinten lässt das Board aus dem Wasser steigen

Hovern - die ersten kurzen Momente
Wenn alles funktioniert, wird das Board plötzlich mit dem Aufsteigen beginnen. Jetzt am besten das Segel sofort wieder öffnen und den Körperschwerpunkt weit nach vorne neigen. So stoppt ihr das Aufsteigen bringt das Board zum Wasser zurück. Falls das nicht funktioniert, erlebt ihr den ersten Spin-out. Mit kurzem Mast kein Problem. An besten die Fahrt komplett ausnehmen, den erlebten Ablauf verinnerlichen und es dann erneut probieren.

Ist es euch aufgefallen? Für einen kurzen Moment war das Rauschen des Wassers verschwunden, nur ein leichtes Gurgeln war zu vernehmen, bevor das Board wieder auf die Oberfläche traf. Die ersten kurzen Schwebefahrten werden sich noch sehr unrund und schwer kontrollierbar anfühlen. Achtet auch auf die normale Richtungssteuerung nach Luv und Lee, denn beim Hovern wird man anfangs auch nach rechts und links schlingern.

Hovern auf einem Windfoilboard

Langsam an die optimale Standposition herantasten - anfangs am besten nur mit dem vorderen Fuß in der Schlaufe

Erinnert euch an die Analogie zum Balance Board und versucht das Hovern genau über die Gewichtsverlagerung zu steuern. Bei weiteren Versuchen merkt ihr, wo die virtuelle Achse für das Auf- und Absteigen liegt. Positioniert euch genau darüber und geht mit aufrechtem Oberkörper etwas weiter in die Hocke. So lässt sich die Belastung nach hinten und vorne sehr gut dosieren. Falls eure Geschwindigkeit zu hoch ist, könnt ihr das Segel weit auffieren und Druck ablassen. So solltet ihr innerhalb der ersten Stunde schon einige kurze Schwebefahrten absolvieren können.

Hovern
Und schon wird es Zeit für Fortschritte. Der Wechsel zu einem mittellangen Mast steht an, denn damit lässt es sich deutlich besser hovern. Der Spielraum zwischen Aufsteigen des Boards und Spin-out ist deutlich größer, ergo hat man mehr Zeit zur Verfügung, um die Pendelbewegung des Auf- und Absteigens zu kontrollieren. So werden längere Hoverfahrten möglich, aber auch die Gefahr von Schleuderstürzen steigt.

Mit längerem Mast stürzt die Nose des Boards bei einem Spin-out in einem steileren Winkel zurück zur Wasseroberfläche. Das Board bremst stärker ab und bei höherem Speed lässt sich das Katapult nicht mehr stoppen. Aber darauf seid ihr mittlerweile vorbereitet.

Spin-out mit Schleudersturz

Schleuderstürze wie diesen werdet ihr erleben - garantiert!

Längere Hoverfahrten werden folgen und ihr könnt dabei versuchen Höhe zu laufen oder auf Raumschotkurs abzufallen. Beides ist relativ einfach, solange die Fahrt geradeaus verläuft.

Tastet euch dann langsam an die Fußsteuerung heran: Lift kontrollieren, um konstant sehr flach oder konstant sehr hoch mit dem Foil zu hovern. Surft auf Halbwindkurs leichte Schlagenlinien, um die Reaktion des Foils auf seitliche Boardbelastung zu erfahren. So werdet ihr fit, um den hinteren Fuß in die Schlaufe zu stecken und die ersten Schläge eingehakt ins Trapez zu absolvieren.

Hovern - eine Gleitfahrt über der Wasseroberfläche

Lange Schwebefahrten übers Wasser, das ist schon am ersten Tag auf einem Foilsurfboard möglich

Richtungswechsel
Deutlich schwieriger ist das Halsen auf einem Foilsurfboard, aber das ist ein weiteres Kapitel.

Einen Richtungswechsel fahrt ihr zu Beginn einfach wie auf einem Windsurfboard ohne Gleitwind: Reduziert vor dem Richtungswechsel einfach die Geschwindikgkeit, bringt das Boards zur Wasseroberfläche zurück und fahrt die Halse oder Wende in Verdrängerfahrt. Auf dem neuen Kurs wartet der nächste Hover Run. Viele Erfolg!

Halsen auf einen Foilsurfboard

Der Weg bis zur ersten durchgeglittenen Halse ist nicht so leicht, denn die Boardsteuerung über mehrere Achsen ist komplex


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